Alle Zeit der Welt

Pauschal zu behaupten, Familien hätten es gerade besonders schwer, ist Blödsinn.

Der Alltag meiner älteren Schwester mit 3 Kindern war noch nie so entspannt.

Rufe ich dort während der Woche nach 20 Uhr an, wird meistens gemeinsam gekocht, gefolgt von einem Film- oder Spieleabend. Selten geht jemand vor 23 Uhr schlafen, denn niemand muss früh aufstehen.

Abgesehen vom ältesten Sohn, Abiturjahrgang, aber der kann sich selbst versorgen.

Die Tochter krabbelt 5 Minuten, bevor der Unterricht am PC beginnt, aus dem Bett, der jüngste Sohn hat den ganzen Tag Zeit, seine Aufgabenblätter abzuarbeiten.

Das morgendliche Chaos entfällt. Ob die Klamotten und Haare gewaschen sind, spielt keine Rolle.

Meine Schwester könnte sogar im Homeoffice mehr Stunden als nur halbtags arbeiten, den Druck, das Büro pünktlich zu verlassen, weil die Kinder zu Hause warten, gibt es nicht mehr.

Ebenso den Stress, die Freizeitaktivitäten des Nachwuchses zu organisieren.

Die Musikschule, der Sportverein, alles geschlossen.

Keine Geburtstagsfeiern, keine Übernachtungspartys, kein Bring- und Abholservice durch die Eltern.

Der VW-Bulli wartet in der Garage darauf, dass die Pandemie endet.

Pisspott

Mit meinem neuen Haarschnitt sehe ich aus wie ein 20-jähriger Fuckboy, der rauchend vor der Hauptschule auf Mädchen wartet, deren Vorname mit einem y endet.

Immerhin muss ich mir jetzt in nächster Zeit keine Gedanken über Online-Dates machen.

Oder ein Vorstellungsgespräch.

Gesetz der Pandemie

So ganz verstehe ich nicht, was jetzt anders ist als im Herbst, als der Mini-Lockdown wirkungslos blieb.

Einschränkungen = weniger Kontakte = weniger Infektionen.

Lockerungen = mehr Kontakte = mehr Infektionen.

Das wird sich doch erst ändern, wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist.