Night Rider

Einmal wurde ich auf dem Heimweg nach der Arbeit von einem Auto verfolgt & es war wie im Film. Dunkel. Regen. Und dann zuckelt dieses Auto in Schrittgeschwindigkeit eine Viertelstunde lang hinter mir her. Fand ich schon komisch. Nazis? Gangster? Als das Auto dann endlich neben mir hielt und die Frau am Steuer, eine Kollegin, mich fragte, ob sie mich vielleicht nach Hause fahren soll, stand ich bereits völlig durchnässt vor meiner Wohnung. Dumm gelaufen.

Unter Wilden

Die ersten Wochen wohnte ich in einem Schwesternwohnheim, das sich auf dem Klinikgelände befand. Als einziger Mann zwischen hundert Frauen, die auch alle Anfang zwanzig waren. Während ich noch meine Klamotten in den Schrank räumte, kamen zwei in mein Zimmer und setzten sich auf das Bett. „ Willst du mal mein Zungenpiercing sehen?“ „Ok …“ „Stehst du auf Piercings?“ „Äh … klar.“ Nach einem 10-Minuten-Verhör & dem Hinweis, ich müsste nur kurz über den Flur, wenn ich etwas bräuchte, wurde ich in Ruhe gelassen. Wobei, Ruhe herrschte in dem Haus eigentlich nie. Die Schwestern haben nicht nur im Schichtbetrieb gearbeitet, sondern auch gefeiert, nachts an meine Zimmertür geklopft & selbst wenn ich im Gemeinschaftsbad unter der Dusche stand, immerhin gab es Kabinen mit Vorhängen, quatschte mich jemand an. Zu unschönen Szenen kam es auch, wenn ich mit Bewohnerinnen einer anderen Etage redetet. Ich war Eigentum von 2 A bis J. Wie ich dann einen Ausflug in das Hamburger-Nachtleben überlebte, weiß ich nicht mehr. Eine Mischung aus Alkohol & Medikamenten, die Frauen hatten ja Zugang, bescherte mir den schlimmsten Filmriss überhaupt.

Herd & Kind

Das wir eine Beziehung eingehen können, oder auch nicht, wann, wie & mit wem wir wollen ist ein Sieg der Emanzipation. In den 50ern bestimmte noch der Mann über das Arbeitsverhältnis seiner Frau, in den 70ern noch das Gesetz über die Aufgabenteilung in der Ehe. Heute gibt es keinen wirtschaftlichen oder sozialen Druck mehr, sich zu binden. Unsere Freiheit sollten wir feiern, statt zu jammern, wie kompliziert alles geworden ist.

Glutenfrei

Ich bin der Prototyp eines All-By-Myself-Menschen, der nichts & niemanden braucht.

Trotzdem.

Lerne ich eine Frau kennen, die mir gefällt, für die ich etwas empfinde, mit der ich zusammen sein will, dann versuche ich, sie in meinem Leben zu halten.

Alles andere wäre irre. Und ich bin nicht irre. Genauso wenig wie 99 Prozent der Bevölkerung.

Wenn jemand nicht so handelt, dann lebt er keinen angeblichen generationsweiten Pseudo-Trend, sondern er/sie/es steht einfach nicht auf euch.

Ausweglos

Als ich bei der Garderoben-Frau im Keller chille, weil es oben in der Hip-Hop-Bar mal wieder zu voll ist, kommt ein schicker Typ und fragt nach dem Hinterausgang. „Stress mit den Frauen?“ „Ja!“ Der arme Junge, bereits vergeben, fühlte sich von den Frauen bedrängt und wollte sich aus dem Staub machen. Ghosting durch die Kellertür. Daraus wurde aber nichts und er musste die Treppe hoch, durch den Laden & zur Vordertür. Manchmal ist gutes Aussehen eine schwere Last.